8.5.06

Bush verzeiht den Deutschen oder Sport gegen Rassismus

Morgens lesen wir alle erstmal das Wäller Schmotzblatt. Auf der ersten Seite fand ich heute einen knappen Artikel, ganz in der rechten Ecke neben der fetteren Schlagzeile: Geiseln freigekauft?. Unter der Überschrift Bush verzeiht den Deutschen gab es folgendes zu lesen:

WASHINGTON: US-Präsident George W. Bush hat Verständnis für die Weigerung Deutschlands gezeigt, am Irak-Krieg teilzunehmen. "Ich habe erkannt, dass es in der Natur der deutschen Bevölkerung ist, dass sie den Krieg verabscheuen", sagte Bush. Bush sei "dankbar für die Unterstützung der Bundesregierung - bei der Hilfe für die Iraker, ihr Leben wieder aufzubauen".

Nachdem Paulchen dann ins Bad zum Zähneputzen ging, konnte ich auch die letzte Seite unserer Tageszeitung überfliegen. Dort gab es unter der folgenden Zeile in der linken unteren Ecke zu lesen:
Pfarrer kicken gegen Imame
Berliner Pfarrer und Imame traten gegeneinander beim Fußball an. Anlass für das Spiel war die Konferenz "Football for all: Sport against Racism" ( "Fußball für alle: Sport gegen Rassismus"). Im Spiel trafen acht Pfarrer auf acht Imame der muslimischen Gemeinden der Hauptstadt. Drei Mitglieder der jüdischen Gemeinde waren Schiedsrichter.

Nun würde ich das Ganze hier ja gerne kommentarlos stehen lassen, aber so einfach will ich mich dann doch nicht aus der Affäre ziehen. Mittags wetterte Hugo dann ohne Vorwarnung los und Klara fragte, warum er sich denn so künstlich aufregte über so einen kleinen Artikel(Klara ist ja erst zwölf, da mag man Milde walten lassen!). Hier ging dann die Post ab, der Gröhnemeyer wurde aufgelegt (LP Bochum) und gab den richtigen Background zur politischen Grundunterweisung. Wir spielten zweimal "Amerika" ab und klärten kurz und knapp, dass sich hier jemand als Oberweltpolizist versteht und mit seinem zu kurz geratenen Verstand, vorangetrieben duch Gier nach Macht und Eigennutz in den Krieg zog, uns Deutschen nun aber in Großmut verzeiht. "Also", fragt Klara nun, "was gibt es denn da zu verzeihen? Wo ist denn nun unsere Schuld?" Wir sind doch nur nicht mitmarschiert!"

Paul Christopher fand den Artikel auch merkwürdig und fragte uns, ob es vielleicht doch nicht richtig ist, Konflikte gewaltfrei lösen zu wollen. Schließlich meint Bush ja, er müsste uns für Friedfertigkeit verzeihen. Paulchens Kommentar war schließlich: "Der Bush, der hat wohl ein Rad ab!"

Nun, da wir vor den Kindern eindeutig Stellung bezogen haben, wollen wir doch nochmal klar stellen, was wir gemeinsam bei diesem Artikel empfunden haben:
Sollten wir Deutsche uns nicht fragen, ob wir Amerika verzeihen können, dass sie in den Krieg gezogen sind?
Ganz schön schwierig - nicht?

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