21.9.06

Und was war Dein Hoch?

So fragt Bruce Willis in einem eher zweitklassigen Film Michele Pfeiffer nach dem positiven Erlebnis des vergangenen Tages.

Mein Hoch war eine Autorenlesung von Irene Busch, einer Kinderbuchautorin, die heute in der katholischen Kirche im Rahmen der Bibliothekstage eine Lesung für unsere Horresser Kids machte. Meine Kinder waren alle anderweitig verpflichtet, aber ich habe im Rahmen meiner Tätigkeit als Aushilfsbibliothekarin gerne zugehört. Es war schön, mit angenehmer Stimme hat sie aus ihrem Buch gelesen und mit Gitarrenbegleitung Lieder vorgetragen.

"Und was war Dein Tief?", so fragt Bruce seine Michelle und wäre ich Michelle, ich hätte mich schluchzend an die Brust meines Helden geworfen.

Mein Tief, ja das gab es heute am Morgen im Tonbergbaumuseum, das ich so liebe. Gestern rief mich unser 1. Vorsitzende des Vereins an,der mir sagte, dass die Führung für das AA früher beginnen wird. Ich soll doch bitte um 10.10 da sein. Nun, ich bin immer früher da, habe noch die Toiletten kontrolliert und rief den Herrn Frohneberg an, um um Toilettenpapier zu bitten. Dabei bestätigte er nochmals, dass meine Gruppe gleich kommt. Das Toilettenpapier schickte er sofort vorbei. Mittlerweile vergingen die Minuten und ich saß in der Sonne, dachte an meine Bügelwäsche, an unsere demenzkranke Oma, die zu Hause alleine verzweifelt, dachte an Paul Christophers Englischtest, an Klaras Aufsatz, guckte auf die Uhr und irrgendwann, da begann ich zu kochen.
Es war genau 10.50, da fuhr ein Planwagen vor. Eine fröhliche Gruppe stolperte heraus und ein junger Mann lief fröhlich"mea culpa" schreiend auf mich zu. Fand er alles ziemlich lustig, dass ich vor dem Museum gewartet habe. Klar, ich koste ja nichts, bin nur Hausfrau, mache das alles ehrenamtlich. Die Gruppe kam langsam in den Eingangsbereich, eine der Damen mit der Bierflasche in der Hand fiel fast aus dem Planwagen, alle wollten erstmal zur Toilette, dann kam die bierflaschentragende Dame aus der Toilette...
Ich war ziemlich sprachlos, habe dann mit der Führung begonnen und denke, dass ich mich unter den Umständen ganz gut im Griff hatte, aber das Benehmen der Menschen vom AA war ziemlich daneben.
Nach einer Stunde hatte ich die Gruppe durch das Museum geschleust und wir gingen zur Bezahlung an unseren Tisch. Ich machte auch für die noch folgende Nachmittagsgruppe alles fertig und kassierte dann die 92 Euro für die beiden Besuchergruppen. Anschließend schloss ich alles ab.
Keiner der Teilnehmer hat mal in Erwägung gezogen, dass ich vielleicht für 40 Minuten Wartezeit mit einem großzügigen Trinkgeld hätte bedacht werden können.

Ich denke, jeder der Museumsbesucher heute, hat mehr Geld im Portemonnaie als ich, arbeitet nicht für ein Taschengeld im Tonbergbaumuseum, arbeitet nicht umsonst in der katholischen Leihbibliothek, lehrt erwachsenene Analphabeten nicht umsonst das Lesen und Schreiben in den frühen Morgenstunden u.u.u..

Mensch Bruce, breite die Arme aus und tröste mich, mir ist noch immer zum Heulen!
Da sollte ich nun mal das Geheimnis lüften, um wen es sich bei der Besuchergruppe handelte und so lichte ich doch mal das Bild des obersten Chefs dieser straff durch-organisierten Behörde ab. Bei meiner Besuchergruppe handelte es sich um eine Abteilung des Auswärtigen Amtes in Bonn.

Für mich stellt sich natürlich abschließend die Frage, macht die Gruppe auch in Ägypten beim Besuch der Pyramiden diesen ausgezeichneten Eindruck? Ruft dann auch jemand "mea culpa" und die Bierflaschen werden öffentlich geschwenkt?
Diese Menschen vertreten die Bundesrepublik, aber auf diese Vertretung kann niemand so richtig stolz sein. Die weitere Frage, die noch bleibt ist folgende: Wer zahlt diesen Betriebsausflug mit Übernachtung, Essen, Museenbesuchen ect.?

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